Predigt über den Rosenkranz am 12.10.2025 von Pfarrer Wenzel

Inhaltsverzeichnis

Hinweis: Der Predigt wurde stellenweise leicht angepasst, um eine bessere Leserlichkeit herzustellen.

Einleitung

Liebe Brüder und Schwestern in Jesus Christus, unserem Herrn! Zwei Monate im Jahr sind ganz besonders der Gottesmutter Maria geweiht. Es ist der Marienmonat Mai, in dem wir die Maiandachten beten, und der Rosenkranz-Monat Oktober, geprägt durch das Rosenkranzgebet. Was hat es aber mit dem Rosenkranz auf sich? Woher kommt dieses Gebet? Und was kann es uns heute bedeuten?

Ursprung und Bedeutung des Rosenkranzes

Im Hochmittelalter war es üblich geworden, Bilder und Statuen Mariens mit Blumenkränzen zu schmücken, vor allem mit Kränzen aus Rosen. Die Königin im Blumenreich, die Rose, steht für die Königin aller Heiligen, die Gottesmutter Maria. Und darum wird Maria auch in der Lauretanischen Litanei angerufen als Rosa Mystica.

Das Rosenkranzgebet in seiner heutigen Form wurde seit dem 13. Jahrhundert vor allem von den Dominikanern verbreitet. Man denke an das beliebte Bildmotiv in vielen Kirchen: Maria reicht dem Ordensgründer, dem heiligen Dominikus, den Rosenkranz. Und später haben auch die Jesuiten das Gebet des Rosenkranzes gefördert. Beide Orden widmeten sich der Volksmission, der Verbreitung und Erneuerung des katholischen Glaubens. Und der Rosenkranz war ihnen dabei eines der Hauptmittel. Und wo die Jesuiten seelsorgerisch tätig waren, gründeten sie Rosenkranzbruderschaften oder marianische Kongregationen, deren Mitglieder sich zum regelmäßigen Rosenkranzgebet verpflichteten. Mancherorts bestehen diese Gemeinschaften noch heute.

Häufige Einwände gegen den Rosenkranz

All jene, die den Rosenkranz nicht beten, haben so die klassischen Einwände und Vorurteile: Der Rosenkranz sei ein monotones Leiern, sagen sie, ein gedankenloser Sprechgesang; so schnell, wie da gebetet wird, könne man gar nicht mitdenken.

Der Rosenkranz als biblisches und meditatives Gebet

Liebe Brüder und Schwestern, wenn man sich aber mit dem Rosenkranz beschäftigt, wenn man ihn also betet, erlebt man, dass der Rosenkranz einen zur Ruhe kommen lässt. Der Rosenkranz ist eine Form von Meditation; er ist ein meditatives Wiederholungsgebet. Man kann viel über den Rosenkranz reden, aber wer ihn betet, der erfährt die Tiefe und den geistlichen Reichtum dieses Gebetes für sein eigenes Glaubensleben. Im gleichmäßigen Gebetsrhythmus des Ave Maria kreisen wir um die großen Geheimnisse unseres Glaubens: um die Menschwerdung Christi, sein Leiden und seine Auferstehung. Der Rosenkranz ist also ein zutiefst biblisches Gebet. Oder, gesprochen mit dem großen heiligen Rosenkranzbeter Papst Johannes Paul II., wenn er sagt: Rosenkranzbeten ist tatsächlich nichts anderes als mit Maria das Antlitz Christi zu betrachten.

Wir haben es gerade im Evangelium nach Lukas gehört: Als der Erzengel Gabriel zu Maria kommt, sagt er zu ihr: „Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.“ So sind auch die ersten Worte des Ave Maria: „Gegrüßet seist du, der Herr ist mit dir.“ Und so beten wir mit; so beten wir in jedem „Gegrüßet seist du, Maria“ den Gruß des Engels Gabriel, der nach Nazareth zu dieser Jungfrau kommt.

Maria führt zu Jesus

Maria spielt eine tragende Rolle im Rosenkranzgebet, denn sie führt uns zu Jesus. Sie nimmt uns an die Hand und führt uns zu ihrem Sohn.

Praktische Hinweise zum täglichen Beten

Und vielleicht, liebe Brüder und Schwestern, versuchen Sie, wenigstens ein Gesätzchen am Tag zu beten. Es gibt da so viele Möglichkeiten: bei Autofahrten, wenn man auf etwas wartet, in einem stillen Augenblick. Oder nachts, wenn ich aufwache und nicht einschlafen kann, bete ich ein paar Ave Maria, und das empfehle ich Ihnen. Oder, was ich gerne tue, wenn ich den Rosenkranz bete: Dann nehme ich mir vor jedem Gesätzchen vor, für wen oder für welches Anliegen, könnte ich jetzt dieses Gebet sprechen. Dann bin ich auch mit diesen Menschen geistlich ganz tief verbunden.

Kraftquelle in dunklen Stunden

Der Rosenkranz, liebe Brüder und Schwestern, ist eine große Kraftquelle, und viele Heilige haben ihn gebetet. Vielen Heiligen hat er Kraft auf ihrem Glaubensweg gegeben. An der Hand der Mutter kommt man immer gut ans Ziel. Und der Rosenkranz ist auch ein Gebet in den dunklen Stunden unseres Lebens: in Krankheit, in Not, in großen Sorgen.

Die größte, bedeutendste Stunde unseres Lebens, liebe Brüder und Schwestern, wird die Stunde unseres Todes sein. Wenn wir dann Gott begegnen – von Angesicht zu Angesicht. Und da ist es gut, dass man in dieser Stunde dann nicht allein ist, dass die Mutter dabei ist. Und darum heißt es in jedem Ave Maria: bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes.

Wallfahrtsorte und Heilige

In dem Fatima-Wallfahrtsort, in Lourdes, überall da, wie in anderen Marien-Wallfahrtsorten, steht der Rosenkranz ganz im Zentrum des Gebetes, nach der heiligen Messe und nach der Anbetung. Die Heiligen wie Padre Pio, Anna Schäffer von Mindelstetten und viele andere haben ihn gebetet, und er war ihre Kraftquelle.

Carlo Acutis: „Die kürzeste Leiter zum Himmel“

Oder denken wir nur am heutigen 12. Oktober an einen jungen Heiligen, dessen Gedenktag wir heute zum ersten Mal als Heiligen der Kirche feiern, der vor wenigen Wochen heiliggesprochen ist, der vor knapp 20 Jahren mit nur 15 Jahren gestorben ist. Und dieser heilige Carlo Acutis aus Mailand hat diesen schönen Satz und dieses schöne Bild verwendet: Der Rosenkranz ist die kürzeste Leiter zum Himmel. Ein schönes Wort. Der Rosenkranz ist die kürzeste Leiter zum Himmel. Er ist Halt, Schutz und Hilfe auf unserem Weg zum Herrn.

Mutter Teresa über den Rosenkranz

Und schließen darf ich mit einer großen Rosenkranzbeterin, mit der heiligen Mutter Teresa von Kalkutta. Sie hat immer wieder gesagt: Wenn wir durch die Straßen gehen, egal in welchem Teil der Welt, tragen die Schwestern, die Missionarinnen der Nächstenliebe, den Rosenkranz in ihren Händen. Und Maria, die Jungfrau, gibt uns Schutz und Hilfe. Unsere Regel der Missionarinnen der Nächstenliebe verlangt von uns, niemals in die Slums zu gehen, ohne vorher das Lob der Mutter zu beten. Deshalb müssen wir den Rosenkranz in den Straßen und dunklen Löchern der Slums beten. Klammert euch an den Rosenkranz, wie die Schlingpflanze an den Baum, denn ohne die Mutter Gottes können wir nicht sein.

Dank und Einladung

Ein großes Vergelt’s Gott sage ich allen Betern, die jeden Nachmittag in unserer Pfarrkirche den Rosenkranz beten, und allen, die ihn zu Hause beten. Sie tun es für uns alle. Und wie gesagt, der heutige Rosenkranzsonntag ist eine Einladung, sollten wir es noch nicht tun, mit dem Rosenkranz, und sei es nur ein Gesätzchen täglich, zu beginnen.

Schlussgebet und Fürbitte

Segne du, Maria, unsere letzte Stunde.
Süße Trostesworte, flüstere dann der Mund.
Deine Hand, die linde, drück das Auge uns zu.
Bleib im Tod und Leben unser Segen du.
Bleib im Tod und Leben unser Segen du.

Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz, bitte für uns. Amen.